Waldbesetzung "Pappelapapp"

Am 15. Oktober haben Aktivist*innen auf Twitter bekannt gegeben, dass der Vollhöfner Wald in Hamburg Altenwerder besetzt ist. Die Aktivist*innen haben ein Baumhaus in dem Waldstück gebaut, um gegen die geplante Rodung zu protestieren. Auch NABU, BUND und lokale Bürger*innen-Initiativen setzen sich seit einiger Zeit für den Erhalt des Waldes ein. Der Hamburger Senat hat die Fläche des Waldes als Hafenerweiterungsfläche deklariert. Momentan sind die Rodungen aber bis Februar 2020 ausgesetzt. Umweltsenator Jens Kerstan und Wirtschaftssenator Michael Westhagemann haben sich auf dieses Moratorium geeinigt, schrieb Kerstan am 29. September 2019 auf Facebook. „In Zeiten des Klimawandels passt es nicht Wälder für Logistikflächen zu roden.“ Auch für die Aktivist*innen im Vollhöfner Wald ist der Kampf gegen die Klimakrise eine wichtige Motivation für die Besetzung. Sie kritisieren aber auch den Plan, dass ein natürliches Ökosystem - das sich über 50 Jahre hinweg nahezu ungestört entwickeln konnte - Logistikflächen für den Hamburger Hafen weichen soll. Für sie ist der Hamburger Hafen ein Umschlagplatz von radioaktiven Materialien, klimaschädlichen Energierohstoffen, tödlichen Rüstungsgütern und Tierprodukten. Auf Twitter schreiben sie: „Mit unserer Form des Widerstandes möchten wir uns der Hafenbehörde direkt in den Weg stellen und gemeinsam ein klares Zeichen gegen die Zerstörung und Ausbeutung von Natur und Mensch setzen. Wir kämpfen für eine solidarische, herrschaftsfreie Welt, in der nicht wirtschaftliche Interessen vorherrschen, sondern im Interesse aller Menschen sowie der Natur gehandelt wird.“

Die Polizei und HPA setzten den Aktivist*innen ein Ultimatum bis zum 23.10.2019 um 12 Uhr, um das Baumhaus wieder abzubauen. Die Besetzer*innen kamen der Aufforderung nicht nach, sondern bauten weiter an ihrem Baumhaus. Am 23.10.2019 um 14:10 Uhr sagte ein Polizist den Besetzer*innen, dass das Baumhaus als Versammlung gewertet wird und diese Versammlung aufgelöst ist. Die Teilnahme an einer aufgelösten Versammlung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und ist - aus der Erfahrung der Besetzung im Wilden Wald - Grund genug, ein Baumhaus zu räumen. Rund 1,5 Stunden vorher schrieb Umweltsenator Kerstan auf Twitter: „Im Senat sind wir einig, dass im #Vollhöfner #Wald bis mind. 2023 alles bleibt wie es ist“. Laut Aussage von Dirk Kienscherf (SPD) gegenüber des NDR ändert dies nichts an der bevorstehenden Räumung des Baumhauses.

Am 24.10.2019 begann die Polizei pünktlich um 8 Uhr in den Wald vorzurücken und zu räumen. Dabei nutzen sie keine technischen Geräte sondern räumten mit Kletterseilen und Leitern. Im Laufe des Tages wurden alle Aktivist*innen aus dem Baumhaus geräumt und die Polizei begann das Baumhaus abzureißen. Auch von den Traversen, auf die einige Aktivist*innen geklettert waren, wurden viele geräumt. Am Nachmittag wurde außerdem der Tripod geräumt, der in der Nacht als Vorbereitung auf die Räumung noch entstanden war. Ca. sechs Aktivist*innen kletterten so hoch in die Baumkronen, dass die Polizei es nicht schaffte sie zu räumen. Am Spätnachmittag wurden Flutlichter für die Nacht gebracht, um die restlichen Besetzer*innen weiter zu beobachten und zu bewachen. Die Räumung wurde dabei vorerst abgebrochen.

Am 25.10.2019 setzte die Polizei die Räumung fort. Im Laufe des Tages rissen die Polizist*innen der technischen Einheit das Baumhaus ab, sodass nur noch ein Materialhaufen zu erkennen war. Die Baumhauskonstruktion war wohl so stabil, dass die Polizei mehrere Anläufe brauchte und lange nach Lösungen suchte, bis die Plattform abgerissen werden konnte. Ein Polizist des Höheninterventionsteams markierte am Spätnachmittag mehrere Bäume mit einem blauen X. Die HPA stellte am Waldeingang ein neues Schild auf: Betreten verboten. Außerdem hat die HPA das Hausrecht wohl der Polizei übertragen.

Der Samstag verlief ruhig und ereignislos. Die Polizei hatte entschieden zu warten, bis die Besetzer*innen runter kommen. Die Aktivist*innen kletterten an den Traversen entlang, um näher beieinander zu sein und sich ohne Störung unterhalten zu können. Die Polizei brachte Stühle mit, um das Warten angenehmer zu gestalten.

Am 27.10.2019 sollte der wöchentliche Waldspaziergang stattfinden. Aufgrund der neuen Schilder der HPA sagt die Polizei, dass niemand in den Wald darf. Die rund 100 Personen, die zum Waldspaziergang gekommen waren, konnten nur am Eingang des Waldes stehen und schauen. Um 13 Uhr kündigten die verbliebenen sechs Besetzer*innen an, dass sie runterkommen wollen. Gegen 16 Uhr kam die erste Person runter und wurde in Gewahrsam genommen. Alle durften im Wald auf die Toilette gehen und in den Trümmern des Baumhauses nach Sachen suchen, die ihnen gehören. Um 17:25 Uhr kam die letzte Person vom Baum geklettert. Vier Tage nach Beginn der Räumung und nach drei Tagen ohne Baumhaus oder Boden unter den Füßen ging die Besetzung im Vollhöfner Wald zu Ende.

Aus der Entfernung nur schwer zu sehen: Das Baumhaus "Pappelapapp"

Unbeschriebene Wegweiser zeigen nach einigen Tagen den Weg zum Baumhaus.

Der Innenraum des ersten Stocks.

Rauchmelder sollen den Brandschutz gewährleisten.

Mittwoch, 23.10.2019 - Der Tag des Ultimatums.

Kurz vor Ablauf des Ultimatums werden noch weitere Banner ans Baumhaus gehängt.

Warten auf das Ultimatum.

Als um 12 Uhr keine Polizei zu sehen ist, beschließen die Aktivist*innen weiter zu bauen. Ein neues Stockwerk soll her.

Um 14 Uhr kommt die Polizei dann doch.

Die Beamt*innen verkünden, dass die Besetzung als Versammlung gewertet und aufgelöst wird.

Die Antwort der Besetzer*innen ist deutlich: "Wir bleiben"

Barrikaden am Baumhaus sollen die Räumung schwieriger machen.

Die Aktivist*innen bereiten sich auf die Räumung vor.

Bis in die Nacht werden Baumstämme geschleppt.

Morgens steht dann ein Tripod neben dem Baumhaus.

Um kur vor 8 rückt die Polizei an.

Pünktlich um 8 Uhr kommt die Polizei in den Wald und beginnt mit der Räumung der Besetzer*innen.

Die ersten Aktivist*innen werden geräumnt.

Die Polizei zersägt das Totholz auf dem Weg.

Einige Aktivist*innen sind auf Traversen oder in Baumkronen geklettert, um schwieriger geräumt werden zu können.

In "Windeln" werden die Aktivist*innen abgeseilt.

Die Polizei beginnt damit, den Tripod zu räumen.

Der Tipod wird geräumt.

Die Polizei versucht die Aktivist*innen von den Bäumen zu räumen.

Ein Polizist räumt das Baumhaus aus.

Aktivist*innen in den Baumkronen

Die Flutlichter liegen für die Nacht bereit.

Die Aktivist*innen sitzen immer zu zweit in einer Hängematte,

Abriss des Baumhauses

Wenn die Polizisten der technische Einheit sich sicherten, dann oft am Baumhaus selbst.

Ein Polizist markiert Bäume mit einem blauen X

Die Plattform ist fast komplett abgerissen.

Auch am Ende des zweiten Tags der Räumung sind noch 6 Aktivist*innen in den Bäumen.

Die Polizei wird sie wohl eine weitere Nacht bewachen.

Die HPA stellt neue Schilder auf: "Betreten verboten"

Samstag, 26.10.2019

Die Besetzer*innen haben noch immer das Banner "Pappelapapp stands with Rojava"

Plenum der verbliebenen sechs Aktivist*innen

Kappstühle machen das Warten der Beamt*innen erträglicher.